IngeDick_Zinnober_Artikel

INGE DICK – ZINNOBER

Filmprojekt zinnober, 4.8.2007, 7.00-20.30 Uhr


In Zinnober ist der Tag noch ganz

Mit dem Highdefinition-Video Zinnober stellt Inge Dick die Kontinuität wieder her. Zwei unbewegte treffen im Studio-Set aufeinander: eine fix aufgestellte Kamera und eine an die Wand gehängte zinnoberrote Fläche; kein Schnitt. Dennoch sind Veränderungen, so minimal sie oft sein mögen, bestimmend. Die 13 Stunden und 30 Minuten Tageslicht laufen vor unseren Augen in Echtzeit ab. Zu sehen ist das Farbspektrum, das die zinnoberrote Fläche im Verlauf eines Augusttages zwischen 7.00 Uhr und 20.30 Uhr durchläuft. Markus Fischer: „Um wirklich die ungeschnittene Dauer einer gesamten Tagessequenz zu bekommen, haben wir das HD-Video mit einer Auflösung von 1440×1080/50i direkt auf die Festplatte gespeichert. Normaloptik, Seitenverhältnis 16:9, fixe Blende. Wir haben 2 Durchläufe gemacht, den ersten davon genommen. Der Tag hat viel geboten: dramatische Wolken, Mittagssonne, von schwarz bis rosa.“ Vor der Projektion ist die Orientierung des Betrachters zwar wieder uneindeutig, aber Realismus in der Kunst definiert sich u.a. darüber, „inwieweit Bild und Gegenstand unter jeweils angemessenen Beobachtungsbedingungen zu denselben Reaktionen und Erwartungen führen“ (Nelson Goodman, Sprache der Kunst, Suhrkamp 1995, S.43)
Im Film gewinnt die Zeit an Bedeutung. Sie läuft nicht nur als timecode mit, sondern wird spürbar, vor allem, weil wir uns entscheiden müssen, wie lange wir uns vor der Projektion aufhalten wollen. Unsere (begrenzte) „Eigenzeit“ trifft dabei nämlich auf die (unendliche) zyklische Zeit der Natur. Innerhalb der Datenmenge eines westeuropäischen Alltags mag das, was in Zinnober passiert, extrem nebensächlich erscheinen, ist aber in Wahrheit Ausdruck einer übermenschlichen Macht. (Aus Katalog Oberösterreichisches Landesmuseum „Inge Dick: Lichtzeiten“, 2008,
Autorin: Ruth Horak)

INGE DICK
geboren 1941 in Wien
seit 1971 Ausstellungen im In- und Ausland
1979 Beginn der Foto- und Polaroidarbeiten
seit 1989 Fotoarbeiten  zum Thema Wasser
seit 1995 Arbeiten mit der größten Polaroidkamera (50x70cm)
und Fotoarbeiten zum Thema “bleu du ciel”
1999 Arbeiten mit de größten Polaroidkamera in Boston/USA (110x220cm)
lebt und arbeitet in Loibichl am Mondsee, Oberösterreich
Zahlreiche Preise, Stipendien, Symposionsbeteiligungen und Publikationen

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