WidS_Badende im Kanal 20erJahre

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Zeitzeugen

"Das war natürlich alles schon sehr politisch. Man konnte dem gar nicht aus, neutral oder indifferent konnte man sich gar nicht verhalten. Wir wurden provoziert von den täglichen Ereignissen".
Franz Schick

"Wenn ich an meine lieben Leute denke, die neben mir gewesen sind. Oft habe ich sie wieder aufgerichtet, und oft habe ich rausgesungen: "Freiheit, die ich meine, frei, der Mensch muss sein". Und wieder habe ich bei den Eisenstangen hinausgeschaut".
Frieda Hauberger

"Ich kann mit Berechtigung sagen, wir waren Idealisten. Wir haben ehrlich gedacht, wir können Verschiedenes verändern. Wir waren der festen Überzeugung, dass der Sozialismus das Bessere ist".
Maria Cäsar

"Und das war das Eigenartige, dass jener Gestapomann, der mich sadistisch gefoltert hat, mit den gleichen gesetzlichen Bestimmungen amnestiert worden ist wie ich, den er damals malträtiert hat".
Karl Flanner

"Wir haben den Krieg ja nicht verloren, wir haben gewonnen. Mit Unterstützung der Engländer, Franzosen, Russen und auch des Österreichischen Freiheitsbataillons"
Peter Kuchar

WEG IN DEN SÜDEN

Der Sonne, der Freiheit entgegen
Dokumentarfilm von Reinhard Jud | 115 min., A, 2003

„Die ganze Geschichte der Industrialisierung, der Arbeiterbewegung und der Strukturwandel der letzten zwanzig Jahre sind regelrecht gekoppelt an diese Strecke“
Reinhard Jud

Selbstbestimmung, Selbstbehauptung und Solidarität. Das sind die großen Themen von “Weg in den Süden”. Ein Dokumentarfilm über Arbeiter- und Industrieregionen entlang der Strecke von Wien nach Triest.

Der Film stellt zwei Generationen gegenüber: Jugendliche die, durch den Druck zu materieller Absicherung, bereits sehr früh in den beruflichen Konkurrenzkampf einsteigen, und ihre Großeltern die in unvorstellbarer Not aufgewachsen sind. Sie haben sich in den späten 20er Jahren für den Sozialismus engagiert, sind in den Widerstand gegangen und waren nach dem Krieg am Wiederaufbau beteiligt. “Weg in den Süden” fragt nach ihren Utopien von damals.

Eine Dokumentation über die Route von Wien nach Triest, mit den Stationen Wiener Neustadt, Kapfenberg, Bruck an der Mur, Leoben, Knittelfeld, Fohnsdorf, Judenburg, Klagenfurt, Villach und Arnoldstein. Der Film zeigt Betriebe die erhalten werden konnten, weil die Bevölkerung die Region nicht verlassen wollte. In Schulen, Betrieben und Lokalen treffen wir Jugendliche, die trotz Konkurrenzdenken immer noch Zusammenhalt suchen.

Trailer

	

Mitwirkende

Daniela Zahlner, Marie-Therese Mürling, Melanie Dulcetta, Markus Messerer, Michael Wagner, Andrea Saurer, Karl Flanner, Hans Moser, Christine Schweighofer, Nicole Schlederer, Alexandra Woller, Michael Schemitsch, Iris Löffler, Livia Vermos, Frieda Hauberger, Albin Fleck, Lisa Brunner, Sandra Schneeweiß, Sandra Grill, Karin Feldbauer, Christian Chizzola, Christian Kraker, Fritz Inkret, Rudolf Berger, Karl Russheim, Franz Poschacher, Alois Lew, Bernhard Rauscher, Teodora Tzolova, Julia Masenbichler, Annette Bloder, Bernd Leitner, Johannes Reiter, Peter Forsthuber, Bernd Kollmann, Carina Wutti, Verena Grassl, Patrick Wenegger, Markus Stürzenbacher, Julia Sternthal, Susanne Pucher, Wolfgang Lew, Hans Baumgartner, Tamara Füller, Susanne Skutnik, Maria Cäsar, Jojo Vidic, Martin Janesch, Michael Groinig, Engelbert Macek, Jan Zimmermann, Pascal Preis, Janine De Simone, Christopher De Simone, Sanel Bajramovic, Otto Friessner, Jasmina Krupic, Nina Latritsch, Mischa Hofbauer, Philipp Pfeifer, Peter Kuchar, Manfred Nessmann, Thomas Millonig, Christian Pöschl, Petra Lubei, Bernadette Millonig, Marco Cecon, Robert Fina, Celestina Petaros, Franc Petaros, Sara Bensi, Katja Cok, Robert Volcic, Deva Pincin, Igor Veljak

Credits

Buch und Regie: Reinhard Jud
Kamera: Wolfgang Lehner
Ton: Alexander Biedermann
Schnitt: Karina Ressler
Musik: Hubert Mauracher
Sprecher: Wolfram Berger

Produzent: Markus Fischer

Hergestellt mit Unterstützung von
Filmfonds Wien, ORF Film- Fernsehabkommen, BKA.Kunst, Land NÖ und Land OÖ

Österr. Uraufführung: DIAGONALE 26. März 2003

© 2003

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Interview mit Reinhard Jud

Wie kam es zu der Entscheidung einen “historischen Reisefilm” über das große Thema Solidargemeinschaft zu drehen?
Für mich war da zuerst die Anziehung durch Städte wie Knittelfeld und Wiener Neustadt. Das hat sicher damit zu tun, dass ich in einer Industrieregion in Kärnten aufgewachsen bin, dadurch gab es eine Vertrautheit mit den Leuten, und auch Landschaften mit Eisenbahnschienen und Fabrikschloten. Als ich bemerkt habe, dass die Städte durch die Eisenbahn verbunden sind und die Strecke, vor allem in historischem Zusammenhang, nach Triest führt, hat sich daraus der Erzählbogen für den Film ergeben. Die ganze Geschichte der Industrialisierung, der Arbeiterbewegung und der Strukturwandel der letzten zwanzig Jahre ist regelrecht gekoppelt an diese Strecke.
Die Thematik von Solidarisierung und Endsolidarisierung hat sich schon bei den ersten Recherchen aufgedrängt. Ich wollte das dialektisch umsetzen, auch wenn das unzeitgemäß ist. Aber ich wollte auf keinem Fall irgendwelche Sinnbilder für allgemeine Verlorenheit machen, dann wäre der ganze Film beschaulich und resignativ ausgefallen.

Wie sind Sie an diese tollen Leute herangekommen, wie haben Sie diese gefunden? Gab es einen Unterschied in ihrer Herangehensweise zwischen den “alten” Zeitzeugen und den jungen?
Wie lang dauerte die Recherche/Vorbereitung?
Ich habe mich Großteils in zeitgeschichtlichen Instituten, Gewerkschaften und Parteizentralen durchgefragt. Die Leute waren alle sehr hilfsbereit. In Knittelfeld und in Triest haben mich die jungen Leute mit ihren Großeltern bekannt gemacht, da ist der Kontakt direkt gelaufen.
Mit den Zeitzeugen bin ich in langen Gesprächen in die Vergangenheit abgetaucht. Die Jugendlichen wurden in Gruppen gefilmt, und es war meine Aufgabe, die Stimmung zu lockern und Diskussionen anzuregen.
Die Recherchen haben bereits vor vier Jahren begonnen, 1999, noch vor der Wenderegierung. Wenn ich die leeren Wartezeiten auf Entscheidungen und Kohle dazwischen abziehe, komme ich auf zwei Jahre Arbeit.

Wie sind Sie an das Archivmaterial herangekommen und was für einen Stellenwert hat es im Film?
Die offizielle (bebilderte) Geschichte versus die private (erzählte) Geschichte?
Die offizielle Geschichte erzählen die Wochenschaubilder, das ist ständestaatliche Propaganda. Dann gibt es die andere Geschichte, die nur durch Fotos belegt ist. Die stammen teilweise von den Zeitzeugen, von Privatsammlern und aus lokalen Archiven. Im Film haben sie die Funktion, die Zeit lebendig werden zu lassen, und natürlich auch zu zeigen, was immer noch tabuisiert ist und abgestritten wird. Ich musste da sehr systematisch vorgehen, weil es nur wenige zentrale Archive gibt, und war auch da auf Hinweise angewiesen, wo es Bestände und Sammlungen gibt. Das hat mich bis nach Ljubljana geführt.
Was den Stolz der Zeitzeugen ausmacht, ihre Wachheit und ihre Frische, ist ihr damaliges Engagement. Sie haben sich politisch definiert und waren überzeugt davon, in die offizielle Geschichte einzugreifen, ihr Geschick damit selbst in die Hand zu nehmen. Die Privatsphäre, aus der wir uns heute definieren, muss schon als Privileg angesehen werden, das politisch erkämpft worden ist.

Was ist ihre Haltung, ihr dokumentarischer Ansatz?
Inwieweit verstehen sie sich als politischer Filmemacher?
Auf eine Vorstellung zu kommen und diese sukzessive verfolgen, Eindrücke zu sammeln und diese in Zusammenhänge und erzählerische Abläufe zu bringen. Das ist ein konstanter Fluss und führt schon bei der Recherche zu Erfolgserlebnissen, weil man immer wieder auf den Punkt kommt. Soweit, bis sich die Geschichte über Personen, Orte und Landschaften selbst erzählt. Also das Undefinierte und Unausgesprochene freizulegen und beim Drehen dann wirken zu lassen, das ist die konstante Spannung mit der man bei Dokumentarfilmen, vor allem dann am Schneidetisch, lebt.
Dokumentarfilme sind eine konstante Entdeckungsfahrt, solange das Thema interessant ist. Ich möchte aber auch Spielfilme machen, am liebsten Genrefilme. Nur nichts Betuliches, das finde ich abstoßend. Oder zur moralischen Instanz zu werden, auf theatralische Weise “besessen”, auf Mission sein zu müssen. Dadurch macht man sich, politisch gesehen, nur zum Kasperl für andere. Das ist Instrumentalisierung.

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